Wie «richtig» sind Katastergrenzen ohne vermessene Grenzpunkte?
- 17. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Katasterdaten sind fester Bestandteil vieler GIS-Anwendungen, egal ob in Gemeinden, bei Leitungsbetreibern oder in der Forst- und Landwirtschaft. Doch wie belastbar sind diese Daten eigentlich, wenn keine vermessungstechnisch gesicherten Grenzpunkte vorliegen? Ein genauer Blick lohnt sich.

Ursprung und Genauigkeit von Katasterdaten
Die Grundlage vieler Katasterdaten in Österreich ist der Franziszeische Kataster aus dem 19. Jahrhundert sowie dessen Nachfolgesysteme. Im Zuge der Digitalisierung wurden diese historischen Daten in moderne Systeme überführt und oft mit Orthofotos oder Luftbildern ergänzt. Trotz dieser technischen Aufwertungen bleibt die ursprüngliche Datengrundlage entscheidend.
Die damalige Erfassung erfolgte mit Messtechniken, die aus heutiger Sicht nur eine begrenzte Genauigkeit bieten. Besonders kritisch wird es dort, wo keine eindeutige vermessungstechnische Fixierung von Grenzpunkten erfolgt ist. In solchen Fällen basiert die Lageinformation ausschließlich auf alten Plänen mit potenziellen Abweichungen im Meterbereich.
Ein zentrales Unterscheidungsmerkmal ist dabei die Art des Katasters:
Grundsteuerkataster: Der überwiegende Teil der Grundstücke in Österreich ist diesem Kataster zugeordnet. Hier sind die Grenzen nicht rechtlich verbindlich, sondern dienen primär der steuerlichen Bewertung. Die Genauigkeit reicht für allgemeine Verwaltungszwecke aus, nicht jedoch für technische oder rechtliche Anwendungen.
Grenzkataster: Grundstücke in diesem Kataster wurden vermessungstechnisch exakt erhoben. Die Grenzen sind rechtlich verbindlich und im Kataster entsprechend gekennzeichnet. Nur hier haben die dargestellten Grenzen auch zivilrechtliche Relevanz.
Was bedeutet das für die Praxis?
Für viele Anwendungen ist diese Genauigkeit ausreichend: Flächenabschätzungen, grobe Standortbestimmungen oder einfache GIS-Analysen funktionieren damit gut. Problematisch wird es allerdings, wenn Katasterdaten als Grundlage für technische Planungen oder rechtliche Auseinandersetzungen verwendet werden sollen. Ohne gesicherte Grenzpunkte fehlt die juristische Verbindlichkeit.
In der Praxis heißt das: Ein vermeintlich "richtiger" Punkt im GIS ist nur so gut wie seine vermessungstechnische Grundlage. Wer sich auf Katasterdaten verlässt, ohne deren Ursprung und Genauigkeit zu kennen, läuft Gefahr, Fehlentscheidungen zu treffen.
Empfehlung für GIS-Anwender
Wer mit Katasterdaten arbeitet, sollte immer prüfen, ob und wo vermessene Grenzpunkte vorliegen. Katasterpunkte ohne vermessene Grenzpunkte sind keine verlässliche Grundlage für Planungen mit hoher Genauigkeitsanforderung. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte immer einen Blick hinter die Daten werfen und im Zweifel einen Ingenieurkonsulenten für Vermessungswesen konsultieren.
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