GIS und KI: Warum der Zugang zu Geodaten einfacher werden wird
- 5. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen
In den letzten Jahren haben Gemeinden aber auch Energieversorger, Wasserverbände
und Telekommunikationsunternehmen viel Zeit und Aufwand in den Aufbau ihrer GIS-
Daten investiert. Neben Leitungen, Schächten, Hydranten wurden auch Hausanschlüsse digital erfasst und sauber dokumentiert. Die Daten weisen eine hohe Genauigkeit auf und dennoch stehen viele Anwender im Alltag immer wieder vor derselben Herausforderung:
Die Daten sind zwar vorhanden und sauber dokumentiert, aber nicht immer schnell verfügbar. Mehrere Klicks, Filter, Auswertungen und Rückfragen sind oft notwendig, um auf eine Frage eine entsprechende Antwort zu finden.

Das GIS weiß die Antwort – der Anwender muss jedoch den Weg kennen
Wer regelmäßig mit einem GIS arbeitet, kennt die typischen Abläufe. Beispielsweise
sucht ein Mitarbeiter einen bestimmten Schacht. Hierzu öffnet der Mitarbeiter die Karte,
wählt den passenden Layer, setzt einen entsprechenden Filter und prüft anschließend
noch das Ergebnis. Möglicherweise benötigt eine Kollegin einige Informationen zu einem Leitungsabschnitt. Sie möchte wissen, wie alt die Leitung ist, welches Material verbaut wurde oder über
welche Grundstücke dieser Abschnitt verläuft. Da die Kollegin das GIS nie in Verwendung hat, fragt sie einen erfahrenen GIS-Kollegen oder den GIS-Verantwortlichen.
Dabei sind die Fragen meist erstaunlich einfach:
• Wann wurde der Schacht X zuletzt gewartet?
• Wie lange ist diese Leitung?
• Welche Leitungen liegen in der Straße XY?
• Welches Material ist im Kanalnetz am häufigsten verbaut?
Das System hat die Antworten auf diese Fragen bereits erfasst. Allerdings muss man
wissen, wo man suchen muss und welche Funktionen zur Beantwortung solcher Fragen
notwendig sind.
KI verändert den Zugang zu Daten – nicht die Daten selbst
Heute ist Künstliche Intelligenz, KI, in aller Munde. Doch viele denken dabei zuerst an
komplexe Algorithmen oder automatisierte Entscheidungen.
Im GIS-Bereich liegt aber der Nutzen davon häufig an einer viel einfacheren Stelle,
nämlich in der Schließung der Lücke zwischen Menschen und System. Anstatt in Layer,
Attributen oder Filterausdrücken zu denken, können Nutzer ihre Fragen in einer
alltäglichen Sprache formulieren.
Hierzu ein Beispiel:
„Zeig mir alle Kanalschächte, die länger als drei Jahre nicht geprüft wurden“
Gegenwärtig erfordert die Beantwortung dieser Frage mehrere Schritte. Das Prüfdatum
muss bekannt sein, der richtige Layer ausgewählt und ein entsprechender
Filterausdruck erstellt werden.
Dank Unterstützung von KI wird daraus eine einfache Frage. Hierzu übersetzt die KI die
Frage in die jeweils notwendigen GIS-Operationen und liefert im Anschluss das Ergebnis
direkt in der Karte.
Das gleiche gilt auch für unterschiedlichste Aufgaben wie beispielsweise:
„Zeig mir alle Leitungen, die älter als 40 Jahre alt sind“
„Welche Leitungen liegen in der Straße XY?“
„Wie lange ist die Gesamtstrecke der Leitungen je Material?“

Der Nutzer beschreibt lediglich sein Anliegen, während das System die technische Umsetzung übernimmt.
Wissen wird für alle verfügbar
Einen weiteren Vorteil den KI im GIS-Bereich liefert, betrifft den Zugang zu Fachwissen.
Meist gibt es in einer Organisation oder einem Unternehmen nur einige wenige Personen, die das GIS bis ins Detail kennen. Diese Personen wissen, welche Daten vorhanden sind, wo diese gespeichert werden und wie bestimmte Auswertungen erstellt werden. Dadurch werden sie oft zur ersten Anlaufstelle für Fragen. Mit Hilfe von KI kann ein Teil dieses Wissens direkt im System verfügbar gemacht werden.
Eine neue Mitarbeiterin muss nicht mehr wissen, in welchem Layer die gesuchten
Informationen liegen. Sie kann direkt fragen:
„Über welche Grundstücke verläuft diese Leitung?“
„Wie viele Meter der Leitung liegen auf den jeweiligen Grundstücken?“
Die KI liefert nicht nur die Antwort auf die gestellte Frage, sondern liefert auch den
Zusammenhang dazu. Dadurch werden Informationen schneller zugänglich und weniger
abhängig von einzelnen Personen.
KI unterstützt nicht nur bei Abfragen
Der Nutzen von KI im GIS endet jedoch nicht bei der Beantwortung von Fragen, sondern
kann auch bei der Erstellung von Datenexporten, Auswertungen und Berichten
unterstützen.
Anstatt Exportfunktionen, Filter oder Datenformate kennen zu müssen, beschreibt der
Anwender einfach das gewünschte Ergebnis. Beispielsweise:
„Exportiere alle Lichtpunkte, die heuer gewartet werden müssen, als Excel-Datei für den Wartungsdienstleister.“
Die KI ermittelt die benötigten Objekte und erstellt daraus direkt den gewünschten
Export. Damit unterstützt KI nicht nur bei der Suche nach Informationen, sondern auch bei
deren Weiterverarbeitung und Bereitstellung für andere Systeme, Fachabteilungen oder
externe Dienstleister.
Der nächste Schritt nach der Digitalisierung
Die Digitalisierung der Infrastruktur ist in vielen Organisationen und Unternehmen
bereits weit fortgeschritten. Die Daten sind vorhanden, werden laufend ergänzt und
bilden das Fundament zahlreicher Prozesse.
Der nächste Entwicklungsschritt besteht daher nicht unbedingt darin, noch mehr Daten
zu erfassen. Vielmehr geht es darum, die vorhandenen Informationen einfacher nutzbar
zu machen.

Julia Lecnik
Projektmanagerin bei mobileGIS




